Unser Körper – ein System: Zwischen Neustart, Systemtausch und Update

Menschen sind keine perfekten Systeme. Wir streiten uns unproduktiv, sind ab und zu müde, unkonzentriert oder verbocken ein Meeting.

Wir sind weder perfekt noch müssen wir es sein. Doch wenn unser System ständig hakt und es uns mehr zu behindern, als zu fördern scheint, heißt es oftmals: Ich muss etwas ändern – Neustart! Sofort! Okay…ab nächste Woche.

Sehen wir den menschlichen Körper mit seinen Knochen, Sehnen, Muskeln als Hardware ist unser Gehirn, das Hormonsystem usw. quasi die Software. In unserem Körper entstehen Updates, mal entsteht ein Kabelbruch oder eben auch ein Systemstau.

  • Du hast gelernt ganz entspannt Auto zu fahren – neues Programm.
  • Du kannst dich nach der letzten E-Mail nicht mehr konzentrieren – Systemstau.
  • Du hast beim ersten Gespräch mit dem/der neuen süßen Kollegen/Kollegin keinen sinnvollen Satz herausgebracht – Totalabsturz.

Hieß es früher in der Wissenschaft noch wir können unser System nur bis zu einem gewissen Alter beeinflussen, weiß man heute, dass wir bis ins hohe Alter sehr wandelbar sind. Es haben sich völlig neue Gebiete in der Wissenschaft entwickelt (Epigentik, Neuroplastizität,..usw.). Wir können lernen – um in der Computersprache zu bleiben – uns selbst zu hacken bzw. zu updaten.

Sobald wir ein System verstanden haben, bekommen wir die Möglichkeit dieses positiv zu beeinflussen. Wir können unsere Energie, Produktivität und unsere emotionalen Zustände auf ein ganz anderes Level heben. So entstand in den letzten Jahren auch der Begriff „Biohacking“.

Biohacking: (verb, noun)

(v): To change the environment outside of you and inside of you so you have full control of your biology, to allow you to upgrade your body, mind, and your life (1).

 Wir hacken, bzw. geben unserem System ein Update. Das ist spannend, da viele Menschen versuchen ihr System – um erneut in der Computersprache zu bleiben – Neuzustarten oder es gegen ein komplett neues System auszutauschen und daran kläglich scheitern. Der Unterschied zwischen Neustart, dem Systemtausch und einem Update ist essentiell und wird oftmals übersehen.

Neustart. Strg + Alt + Entf. Das klingt erstmal recht einfach. Dabei hilft der lang ersehnte zweiwöchige Urlaub, die Beförderung, oder das Beenden des stressigen Projekts. Doch geht es danach meist nicht genauso weiter? Strg + Alt + Entf. Diese Tastenkombination nennt man umgangssprachlich auch den „Klammergriff“. Tatsächlich klammern wir uns verkrampft an die Vorstellung, dass wir andere Ergebnisse in der Zukunft bekommen während wir immer wieder dasselbe tun. So hat Herr Einstein keinen Neustart definiert, sondern Wahnsinn. Der einfache Neustart ist zwar durch krampfhaftes klammern möglich, allerdings ist das Problem damit meistens, wenn der Rechner wieder hochfährt nicht behoben. Also lieber alles direkt Neu machen? Systemtausch!

Systemtausch. Ein Systemtausch steht dabei für alles was das Vorhandene kurz und klein schlägt und neues, besseres erschafft. Altes Ich raus, neues Ich rein. Wir wollen ein komplett neues System sein. „Ab morgen mache ich alles anders.“

Sowas ist leider nicht möglich. Wir sind Menschen mit unseren ganz eigenen, individuellen Vorgeschichten. Egal wo wir hingehen, wir nehmen uns selbst mit. Es ist mehr eine Flucht vor uns selbst bei der wir zumeist alles mitnehmen, was die Flucht in unseren Gedanken erst nötig gemacht hat. Eine Revolution versucht alte Probleme zu beseitigen, indem sie diese nicht löst, sondern diese unter den Teppich kehrt. Was daraus folgt, ist, dass wir früher oder später über diese Erhöhung im Teppich stolpern werden. Warum gehen wir am liebsten diesen Weg? Er ist einfach. Ein Neuanfang scheint immer leichter. Schwamm drüber.

Vielleicht wäre aber ein UPDATE unseres Systems viel nachgiebiger und sinnvoller. Ein Update ist allerdings an viele Voraussetzungen gebunden. Wir müssen lernen unser Verhalten und unseren Körper zu verstehen. Es ist wie eine Operation am offenen Gehirn. Wenn wir den Problemen unseres Systems auf den Grund gehen wollen, müssen wir nun mal im Keller starten und dort liegt oft der Müll. Das macht Angst und ist alles andere als einfach. Etwas hakt. Wir wollen eine Veränderung des Status Quo. Doch welches Update brauchen wir überhaupt? Dafür müssen wir erstmal wissen was genau das System zum Haken bringt. Gerade dieser Schritt wird meistens nur sehr oberflächlich behandelt. Erschwerend kommt hier auch hinzu, dass sich sehr viel nur in unserem Unterbewusstsein abspielt. Hier brauchen wir einfach oftmals eine kleine Starthilfe von außen, um klarer zu sehen.

Stecken wir etwas Arbeit in uns selbst, steigt die Chance ein passendes und vollständiges Update für unser System zu entwickeln und nicht nur eine vorübergehende Testversion, welche nach ein paar Tagen wieder abläuft.

Schluss mit Klammergriff oder dem Ab-Morgen-Mach-Ich-Alles-Anders-Ich. Ein Update reicht.

 

Literatur

1 https://blog.bulletproof.com/biohacking-infographic/

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