HRV-Biofeedback – Ein Link zwischen Körper und Gehirn

Kein Organ übt auf den Menschen eine solche Faszination aus. Dieses Organ hat gewissermaßen eine Sonderstellung in sämtlichen Kulturen und Religionen. Es ist Gegenstand unzähliger Mythen und Rituale und kommt in jedem dritten Lied im Radio vor – unser Herz.

Wer kann es uns Menschen verübeln? Schließlich ist unser Herz das einzige Organ, dessen Aktivität wir Tag für Tag deutlich spüren können. Oder habt ihr schon einmal eure Niere, Leber oder euer Gehirn gespürt?

Die Evolution hat unser Herz zu einem höchst komplexen Regulationssystem heranwachsen lassen. Es sorgt dafür, dass immer die genau richtige Menge Blut in unserem Blutkreislauf umher gepumpt wird und zwar unabhängig davon, ob wir sitzen, stehen, liegen, rennen, Gewichte stemmen oder Serien schauen. So ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch unbedingt notwendig, dass unser fleißigstes Organ derart anpassungsfähig ist.

Unseren Herzschlag können wir heute auf vielfältige Weise beobachten. Mittels EEG können wir sogar die elektrischen Potenziale, die unser Herz von sich gibt, messen und darstellen – wir sehen die typische Herzlinie.

Mittlerweile herrscht in der Wissenschaft der Konsens, dass unregelmäßige Abstände zwischen den Herzschlägen (RR-Intervalle, siehe Abb.1) auf ein geringes Stresslevel und auch in gewissem Maße auf einen erholten Körper hindeuten. Man nennt diese Unregelmäßigkeit der Herzschläge Herzfrequenzvariabilität oder kurz HRV.

 

Sind wir gestresst, haben wir eine geringe HRV. Mittels Biofeedbackgeräten können wir unsere HRV messen und wir können lernen, diese aktiv zu beeinflussen, um uns resistenter gegen Stress zu machen oder bereits vorhandenen Stress aktiv zu bekämpfen.

Biofeedback ist schlussendlich nichts anderes als ein Verfahren der Verhaltenstherapie, mit dessen Hilfe wir unbewusst ablaufende psycho-physiologische Prozesse über Feedback wahrnehmen können. Durch bspw. eine visuelle Rückmeldung auf dem Smartphone kann der Anwender Signale seines Herzens sehen und lernen, diese aktiv zu beeinflussen. Ich persönlich nutze Meditation oder einfache Atemtechniken wie das sog. „Box Breathing“ (4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden den Atem anhalten und 4 Sekunden ausatmen). Die Körperselbstwahrnehmung kann somit auf Dauer gezielt moduliert werden.

Man kann sicher auch ohne Feedback lernen, sein Stresslevel zu herabzusetzen. Es gibt hunderte Methoden wie Meditation, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Atemtechniken usw. – allerdings ist unser Körper ein System, das um ein Vielfaches besser von direktem Feedback lernt. Stellt euch vor, ihr müsstet ein Musikinstrument lernen, ohne dabei akustisches Feedback eurer Ohren zu bekommen. Dies ist möglich – dauert allerdings wesentlich länger.

Literatur:

1 http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/fileadmin/content/archiv2009/heft01/pdf_109/Abstracts_0109.pdf

2 Wittling W & Wittling RA (2012). Herzschlagvariabilität. Frühwarnsystem, Stress- und Fitnessindikator.Eichsfeld Verlag: Heiligenstadt

 

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